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Wanderung auf den Wilseder Berg 1

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Erlebnisbericht: Gästeführung "Der Gipfel ruft - Wanderung auf den Wilseder Berg"

Der Wilseder Berg ist mit 169 Metern die höchste Erhebung der norddeutschen Tiefebene und Ziel der durch den Verein Naturschutzpark (VNP) angebotenen Gästeführung "Der Gipfel ruft – Wanderung auf den Wilseder Berg".

 

An einem Freitag Mitte September schnappte ich mir meine jüngere Schwester (18) und fuhr mit ihr nach Undeloh. Dort parkte ich auf dem großen Parkplatz in der Wilseder Straße, direkt gegenüber dem Heide-Erlebniszentrum, wo die Wanderung zum Wilseder Berg um 10 Uhr beginnen sollte. Pünktlich auf die Minute trat unsere Gästeführerin Pat Bülk aus dem Haus und begrüßte uns. Abgesehen von meiner Schwester und mir, war noch ein älteres Paar erschienen, das an der Führung teilnehmen wollte. Zunächst wurde der Teilnehmerbetrag von 5,- € pro Person eingesammelt, dann machten wir uns auf den Weg. Begleitet wurden wir außerdem von Breeze, einer Scottish Deerhound-Hündin (Schottischer Hirschhund, in Schottland ehemals zur Hirschjagd eingesetzt), die treu an den Fersen ihres Frauchens, unserer Führerin, hing und ihren eigenen Rucksack mit Leckerlis und Wasser trug.

Nach wenigen Gehminuten auf einem Weg zwischen Waldrand und Heideflächen legten wir einen ersten Stopp ein und Frau Bülk ging näher auf die Vielfältigkeit der Landschaft ein. Sie wies auf eine grüne Schneise in der sonst kargen Heidefläche hin, die den Verlauf des Radenbaches verriet. Dieser und viele kleine Quellen in der Umgebung seien vor vielen Jahrhunderten ein großer Anreiz gewesen, sich in dieser Region anzusiedeln. Auch im weiteren Verlauf unserer Wanderung stießen wir noch das eine oder andere Mal auf kleinere, feuchte Flächen, die auf unterirdische Quellen hinwiesen.

Nachdem wir dem Weg ein weiteres Stück gefolgt waren, bogen wir in den Wald ab, wo Frau Bülk eine Menge zu erzählen wusste. Sie erklärte uns die Bedeutung der auffälligen Pfeile an einigen Bäumen, die – wie wir erfuhren – Rückegassen für Harvester (Holzerntemaschinen) markierten. Darüber hinaus berichtete sie uns, dass in letzter Zeit das Rotwildaufkommen zugenommen habe, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen sei, dass der Wolf, der in der Region auf dem Vormarsch sei, einen gewissen Druck auf das Rotwild ausübe.

Auf dem weiteren Weg lernten wir noch eine Menge mehr. Zum Beispiel erzählte Frau Bülk, dass Blaubeerpflanzen bis zu einen Quadratkilometer groß werden können, dass Flechten – wie sie oft auf Findlingen zu finden sind – je nach Art in einem Jahr nur um einige Zehntelmillimeter bis zu 1 cm wachsen und wie die grau gehörnte Heidschnucke zu ihrem Namen kommt: sie ist grau, sie ist gehörnt, sie frisst Heide – das ist offensichtlich. Das Wort "schnucken" bedeutet auf Plattdeutsch so viel wie "naschen". Die Heidschnucke heißt Schnucke, da sie nicht wahllos einfach die ganze Heidepflanze frisst, sondern nur die oberen Spitzen abknabbert, also quasi an der Pflanze nascht.

Im Wald – in dem es wunderbar nach Laub, Holz und Pilzen roch – erreichten wir eine Stelle, an der das Blätterdach regelrecht eine Kuppel über dem Weg bildete und beinahe einen natürlichen Tunnel schuf. Nur vereinzelte Sonnenstrahlen fielen durch das Geäst. Rechts und links des Weges befanden sich kleine Wälle. Hier erfuhren wir, dass an solchen Passagen früher häufig Raubüberfälle stattgefunden hatten, denn hier gab es kaum eine Möglichkeit zu fliehen. Vor allem mit einer Kutsche gab es kein Entkommen. So erhielt die romantische Idylle, die sich uns zunächst gezeigt hatte, einen leicht düsteren Zug.

Wieder auf einem Weg zwischen Heideflächen angelangt, ging Frau Bülk näher auf die Wacholderbäume ein, die genauso typisch für die Lüneburger Heide sind wie das Heidekraut selbst. Wir sahen uns einen Strauch einmal genauer an und stellten fest, dass er grüne und blaue – fast schwarze – Beeren trug. Wir lernten, dass die Beeren des Wacholders ihre Farbe wechseln, dass sie zunächst grün und im folgenden Jahr blau sind. Außerdem erzählte Frau Bülk, dass die Beeren des Wacholders essbar, aber in größerer Menge sehr harntreibend sind und früher sogar als Abtreibungsmittel bei ungewollten Schwangerschaften eingesetzt worden sein sollen.

Um den Wacholder ranken sich außerdem viele Mythen, meist in Verbindung mit dem Übergang von Leben zu Tod. So soll jeder Mensch einem bestimmten Wacholder zugehören. Frau Bülk erzählte uns eine Geschichte bzw. Legende von einem Paar, das in der Region lebte und durch den Krieg getrennt wurde. Der Mann zog in den Krieg und kam im Gefecht um. Nachdem seine Ehefrau die Nachricht seines Todes erhalten hatte, ging sie in der Heide von Wacholder zu Wacholder, auf der Suche nach dem Strauch, der zu ihrem Mann gehörte. Sie flehte und betete, ihr Mann möge aufwachen und zu ihr zurückkehren. Sie fand den richtigen Strauch und so kam ihr Ehemann zu ihr zurück.

Die letzten zweihundert Meter bis zum Gipfel des Wilseder Berges waren teilweise recht steil, doch die Mühe machte sich durch den Ausblick, der sich uns von oben bot, bezahlt. Wir blickten auf Heideflächen und Wälder, so weit das Auge reichte. Auf einer Art Tafel konnten wir die Entfernungen zu verschiedenen Orten in der Umgebung und der ganzen Welt ablesen. Wir legten eine kurze Rast ein, tranken einen Schluck Wasser und genossen die Aussicht. Für viele andere Wanderer war Breeze, unsere tierische Begleitung, neben dem Wilseder Berg das zweite Highlight. Einige machten Fotos von ihr, andere löcherten ihr Frauchen mit Fragen, welche sie geduldig und freundlich beantwortete. Hier oben bot Frau Bülk an, die Gruppe aufzuteilen. Wer noch einen Abstecher nach Wilsede machen wollte, dem würde sie den Weg erklären. Mit dem Rest würde sie zurück nach Undeloh wandern. Meine Schwester und ich entschieden uns für die reguläre Route zurück nach Undeloh, während das Paar, das ebenfalls mit uns gegangen war, sich für eine Schleife über Wilsede entschied.

Wir begannen den "Abstieg" und gingen noch ein Stück gemeinsam. Dabei führte uns der Weg unter anderem durch den Schlangengrund, der seinen Namen tatsächlich den Ringelnattern und Kreuzottern zu verdanken hat, die hier leben. Frau Bülk erklärte uns, dass der Biss der Kreuzotter für Erwachsene im Normalfall nicht gefährlich ist, dass man aber darauf achten sollte, dass Kinder und Hunde auf den Wegen bleiben und gegebenenfalls entsprechend geschützt sind (z. B. mit Gummistiefeln).

Kurze Zeit später trennten sich dann unsere Wege. An dieser Stelle befragte ich das Paar, wie es ihnen gefallen hatte. Sie waren sehr zufrieden und hatten nichts an der Führung auszusetzen. Nur die vielen Taschentücher, die im Naturschutzgebiet am Wegrand gelegen hatten, seien ein kleiner Minuspunkt gewesen. Wir verabschiedeten uns und zu dritt (unsere Gästeführerin begleitete uns) traten wir den Rückweg an. Auf dieser letzten Teilstrecke waren unsere Gespräche eher privater Natur und ich outete mich als Praktikantin der Lüneburger Heide GmbH. Frau Bülk war überrascht und möglicherweise ein wenig enttäuscht, hatte sie sich doch zu Beginn der Wanderung so über uns als ihre bisher jüngsten Teilnehmer gefreut. Sie hatte nicht damit gerechnet, jetzt noch zu erfahren, dass wir nicht wirklich ausschließlich an der Lüneburger Heide interessiert gewesen waren, sondern auch die Gästeführung genau unter die Lupe genommen hatten. Doch Grund zur Sorge hatte sie keinesfalls. Die Führung hat uns wunderbar gefallen, das Tempo war angenehm, es wurden viele Trinkpausen eingelegt und wir haben eine Menge gelernt und gesehen. Frau Bülk erzählte, dass es während der Saison keinen Termin gegeben hatte, an denen keine Gäste erschienen waren und dass auch schlechtes Wetter der Stimmung nie geschadet hatte.

Tipp: Unsere Gästeführerin wies darauf hin, dass sie jedem Teilnehmer dringend empfehle, sich Wasser mitzunehmen. Zwar habe sie immer ein wenig Wasser, auch für die Gäste, dabei, doch oftmals unterschätzten die Teilnehmer die Anstrengung, die diese Wanderung mit sich bringe. Auch ich kann dies bestätigen. Ich selbst hatte kein Wasser dabei und war sehr dankbar als Frau Bülk mir eine Flasche anbot.

Nach genau dreieinhalb Stunden befanden wir uns wieder am Ausgangspunkt der Wanderung. Hier verabschiedeten wir uns voneinander und meine Schwester und ich machten uns auf den Heimweg.

Anja G.

 

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