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5.9 Pastor-Bode-Weg Richtung Egestorf

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Erlebnisbericht: Ein (Wander-)Tag in der Lüneburger Heide

Die Lüneburger Heide: jeder hat schon davon gehört, viele haben sie besucht, doch ihre lange Geschichte ist den meisten unbekannt. Wie entstanden die charakteristischen, hügeligen Flächen der Heide? Was braucht das Heidekraut zum Gedeihen – beziehungsweise, was braucht es nicht? Wie wird die einzigartige Landschaft der Heide erhalten und gepflegt?

 

Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhalten Sie auf einer geführten Wanderung durch die Lüneburger Heide. Anfang September 2012 hatte ich, als neue Praktikantin der Lüneburger Heide GmbH, die Gelegenheit, einen Journalisten aus den Niederlanden auf einer Erkundungstour durch die Lüneburger Heide zu begleiten. Wir schlossen uns der öffentlichen Gästeführung "Lüneburger Heide zum Kennen lernen" ab Undeloh an und begannen unsere Wanderung mit einer Gruppe von etwa 20 Personen – allen voran unser ortskundiger Guide Herr Müller. Bereits in Undeloh wusste er eine Menge über den kleinen geschichtsträchtigen Ort zu erzählen. So erfuhren wir, dass der Name Undeloh aus dem Römisch-Langobardischen stammt und so viel wie "Quelle im Eichenhain" bedeutet. Der Quelle kam dabei vor vielen Jahren eine bedeutende Rolle zu, denn zu den Besonderheiten Undelohs zählt unter anderem der Hungerteich, auch Hungerpohl genannt. Dieser war aufgrund eines ganz besonderen Phänomens für die Bevölkerung bis Ende des 19. Jahrhunderts von größter Bedeutung: Wenn eine Dürre bevorstand, stieg sein Pegel und er überschwemmte teilweise sogar das Tal, während er vor einer feuchten Periode besonders wenig Wasser führte. So kamen auch aus ferneren Gegenden regelmäßig Menschen, um den Pegelstand zu prüfen und herauszufinden, wie sich das folgende Jahr entwickeln würde. Heute ist dieses spannende Phänomen nicht mehr zu beobachten.

Vom Hungerpohl aus ging es nun direkt ins angrenzende autofreie Naturschutzgebiet. Auf vorwiegend sandigen Wegen bewegten wir uns durch die idyllische Heidelandschaft, die an manchen Stellen noch in einem kräftigen Lila leuchtete und an anderen Stellen bereits verblühte. Wir trafen kaum andere Spaziergänger und konnten in Ruhe die Natur und das wechselhafte, aber trockene Wetter genießen. Unterwegs legten wir immer wieder kurze Pausen ein, in denen Herr Müller geschichtliche oder naturwissenschaftliche Themen aufgriff und uns an seinem scheinbar unerschöpflichen Wissen teilhaben ließ. So wusste er eine Menge über den in der Heide weit verbreiteten Mistkäfer zu erzählen und erklärte uns Unterschiede zwischen verschiedenen Heidepflanzen. Auch, dass die zu den Gräsern zählende Drahtschmiele die Lüneburger Heide in extremen Jahren in eine "Lüneburger Steppe" verwandeln kann, wusste er zu berichten.

Immer wieder tauchte das große Thema der Heidepflege auf. Herr Müller erklärte uns die vielen verschiedenen und aufwendigen Maßnahmen, die zur Pflege und Erhaltung der einzigartigen Heidelandschaft ergriffen werden. Dazu zählen das Entkusseln, Mähen, Plaggen und Schoppern, sowie die Beweidung mit Heidschnucken.

Als wir einen großen Findling erreichten, erfuhren wir, dass dieser während der Eiszeiten mit vielen anderen Gesteinsbrocken von Gletschern aus Skandinavien in unsere Region getragen worden war. Dieser Prozess hatte Tausende von Jahren gedauert. Solche schweren Steine wurden dann später von den Menschen genutzt, um beispielsweise Walzen zu fertigen. Diese wurden dann von einem Ochsengespann über andere Steine gerollt, sodass mehr oder weniger befestigte Wege entstanden.

An diesem Punkt – nach etwa einer Dreiviertelstunde – wurde es den Teilnehmern freigestellt, sich von der Gruppe zu trennen und eine Abkürzung zurück nach Undeloh zu nehmen oder Herrn Müller eine weitere Dreiviertelstunde auf dem größeren Rundweg zu folgen. Fast alle entschieden sich für den längeren Weg.

Auf der weiteren Strecke erfuhren wir noch so einiges über Wacholder (einen Nadelbaum, der seine Zapfen in Beeren versteckt), Buchweizen (eine Knöterichart, kein Getreide), die Artenvielfalt der Lüneburger Heide (mit knapp 40 Säugetier-, 8 Fledermaus-, 189 Vogelarten und vielen mehr), Bienenzäune und Heidehonig. So war die Imkerei früher eines der wichtigsten Standbeine der Heidebauern, da Honig und Wachs damals sehr wertvoll waren. Honig war zu jener Zeit das einzige bekannte Süßungsmittel und das Bienenwachs wurde unter anderem für die Herstellung von Kerzen benötigt.

Wenige Schritte von Undeloh entfernt, beendete Herr Müller die offizielle Führung (und sammelte von den Teilnehmern jeweils 4,- € ein), da er mit uns noch eine etwas weitere Strecke auf dem Heidschnuckenwanderweg nach Wilsede gehen wollte. Er wies den anderen Teilnehmern freundlich den Weg Richtung Undeloh, wobei sich ein Pärchen spontan entschied, uns auch weiterhin zu begleiten. So machten wir uns nun in einer kleineren Gruppe auf den Weg in das urtümliche Heidedörfchen Wilsede.

Wir verstärkten das Tempo ein wenig und legten weniger Pausen ein. Auf dem acht bis neun Kilometer langen Weg passierten wir das Gebiet, in dem die Dülmener Wildpferde leben, bekamen aber leider keines der Tiere zu Gesicht. Außerdem durchquerten wir mehrere Flächen, auf denen die Heide noch in voller Blüte stand und in der nachmittäglichen Sonne wunderschön leuchtete. Herr Müller erzählte noch vom scheuen Birkwild, das Teile der Heide besiedelt und dessen Balzverhalten er vor langer Zeit einmal selbst miterleben durfte – ein selten zu beobachtendes Schauspiel.

Als wir Wilsede erreichten kehrten wir zunächst im Gasthaus zum Heidemuseum ein um uns zu stärken. Dort verabschiedeten wir uns von Herrn Müller und dem Ehepaar, das noch spontan mit uns gegangen war. Nach dem Essen (ich probierte zum ersten Mal Heidschnucken-Grützwurst – sehr lecker!) steuerten wir das Heidemuseum "Dat ole Huus" an. Hier trafen wir uns mit Frau Riebesehl, die uns durch das alte Bauernhaus führte und erzählte, wie hier früher einmal gelebt worden war. Erstaunlich war, dass es keine nennenswerte Grenze zwischen Stall und Wohnbereich gegeben hatte. Wir erfuhren außerdem, dass die Knechte mit bis zu sechs Personen in einer engen, schrankähnlichen "Butze" geschlafen hatten – sitzend, wohlgemerkt. In der Mitte des Wohnraumes war täglich zum Kochen ein Feuer entfacht worden, doch einen Schornstein hatte es damals nicht gegeben. Der Rauch war mehr schlecht als recht durch die Fenster abgezogen und hatte für chronische Lungen- und Atemwegserkrankungen bei den Bewohnern gesorgt. Besonders interessant waren die Ableitungen von Sprichwörtern und Redewendungen, die Frau Riebesehl für uns auf Lager hatte. So erfuhren wir, wie man ursprünglich "ins Fettnäpfchen trat", woher der Ausdruck "Plackerei" stammt, wann man etwas "auf die hohe Kante" legt und wie man "einen Zacken zulegt".

Im Anschluss an den Besuch des kleinen Museums machten wir uns auf den Weg zum Totengrund, einem kleinen Tal in der Heide, das auf einem hübschen Weg umrundet werden kann. Der Totengrund ist von Wilsede aus nur etwa einen Kilometer entfernt und ein beliebtes Ziel von Heidegästen – und das zu Recht! Ich selbst war zuvor nie dort gewesen und war beeindruckt von dem tollen Ausblick. Erschreckend war die Aussage einer Informationstafel am Aussichtspunkt, die eine Fotomontage des Bildes zeigte, das sich Besuchern bieten wird, wenn tatsächlich – wie geplant – eine Windkraftanlage in der Nähe erbaut werden sollte. Diese würde die Idylle am Totengrund enorm stören.

Nachdem wir den Totengrund auf teilweise wurzeldurchzogenen, hügeligen Wegen umrundet hatten, machten wir uns auf den Rückweg nach Wilsede, wohin wir im Vorfeld eine Kutsche bestellt hatten, die uns zurück nach Undeloh bringen sollte. Unterwegs hatten wir das große Glück, eine Heidschnuckenherde anzutreffen. Die Tiere überquerten gerade den Weg und ließen sich von uns nicht stören, als wir uns unseren Weg durch die Mitte bahnten. Diese Erfahrung war für mich auch neu, da ich bei bisherigen Heidebesuchen immer das Gefühl hatte, die Heidschnucken wären sehr scheu und schreckhaft. In diesem Fall konnten wir in einem halben Meter Entfernung an ihnen vorbeigehen, ohne dass sie auch nur so getan hätten, als würde sie das in irgendeiner Weise beeindrucken. Als wir die Herde hinter uns gelassen hatten, sahen wir auch den Schäfer mit seinen Hunden am Feldrand sitzen und nutzten die Gelegenheit, ihm einige Fragen zu seinen Heidschnucken und seinem Beruf zu stellen. So erfuhren wir, dass allein seine Herde schon aus etwa 700 Schnucken besteht, dass alte Tiere, die nicht mehr mithalten können, ganz einfach "ausgemustert" werden und dass unser Hirte jedes einzelne seiner Tiere von den anderen unterscheiden kann.

Wieder in Wilsede angelangt, mussten wir nicht lange warten bis unsere Kutsche eintraf. Wir machten es uns gemütlich und genossen die entspannte Fahrt nach Undeloh. Der Kutscher erzählte uns, er sei diese Strecke am selben Tag bereits viermal gefahren, denn in den Sommermonaten der Heideblüte werde eine Linienfahrt angeboten, die regelmäßig zwischen Wilsede und Undeloh verkehre.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich an diesem Tag in der Lüneburger Heide eine Menge gesehen und – vor allem dank Herrn Müller und Frau Riebesehl – gelernt habe. Obwohl ich selbst in der Region aufgewachsen bin, hatte ich mich zuvor nie ausführlicher mit ihr auseinandergesetzt. Es war schön, die Heide einmal richtig kennenzulernen und verschiedene Highlights der Region zu erleben. Ich habe durch diesen Tag auch meine Wanderlust entdeckt und könnte mir vorstellen, den Heidschnuckenwanderweg irgendwann einmal mehrere Tage zu begehen. Dafür müsste ich allerdings zugegebenermaßen noch ein wenig trainieren, denn der Muskelkater am nächsten Tag ließ mich Muskeln spüren, von denen ich zuvor nicht einmal gewusst hatte. Die offizielle Wanderung mit Herrn Müller über 1,5 bis 2 Stunden ist jedoch für jeden, der einigermaßen gut zu Fuß ist, wunderbar machbar und auf jeden Fall einen Ausflug wert.

Zusatz-Informationen:

Parkplatz: Parken kann man wunderbar auf dem großen, preiswerten Parkplatz in Undeloh gegenüber dem Heide-ErlebnisZentrum in der Wilseder Straße.


Treffpunkt: Treffpunkt zur Wanderung "Lüneburger Heide zum Kennen lernen" ist der Dorfteich neben dem Hotel Heiderose.


Hinweis: Der Heideort Wilsede, der Wilseder Berg und der Totengrund liegt im autofreien Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und darf nicht mit dem Auto angefahren werden.

Anja G.

 

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